Abschied von ALX und EC

Heute war einer der traurigsten Tage in der Geschichte der Eisenbahn im Allgäu. Zwar stand die Inbetriebnahme der elektrifizierten Strecke von München nach Lindau kurz bevor, die über Jahrzehnte hinweg immer wieder diskutiert wurde, aber dadurch verlor das Oberallgäu seinen Anschluss an den europäischen Fernverkehr. Ab dem Fahrplanwechsel am morgigen Sonntag wird die EC-Verbindung zwischen München und Zürich nur noch mit elektrischen Triebzügen über die Ausbaustrecke geführt. In Deutschland wurde dafür die neue Kategorie ECE eingeführt. 

Doch nicht nur das änderte sich für die Allgäuer, auch der zwar oft störanfällige, aber doch liebgewonnene, hochwertige ALEX, mit seinen mittlerweile besonderen Reisezugwagen, beendete seinen Betrieb von München nach Lindau bzw. Oberstdorf. So nutzte ich den letzten Betriebstag, um noch einmal in alten Zeiten zu schwelgen und all diese Fahrzeuge zum letzten Mal zu genießen.

Am Vormittag begab ich mich zur Abfahrt des IC nach Dortmund an den Bahnhof von Immenstadt. Diese Verbindung wird zum Glück weiter bestehen bleiben. Zahlreiche Fotografen belagerten bereits die Bahnsteige. Auch ein 612er traf auf Gleis 1 ein. Diese Triebwagen werden ab morgen die Fahrten des ALEX übernehmen.

Nach wenigen Minuten traf der ALX aus Oberstdorf ein, der mit Wagen von TRI gebildet wird. Hier waren Abschiedsnachrichten an den Scheiben des Triebkopfes angebracht worden. Wie es in den letzten Jahren unter Tags zweistündlich der Fall war, gaben sich die ALEX aus allen Richtungen des Südastes rund um 11 Uhr ein Stelldichein. Als Lokomotiven konnten eine 218 der PRESS, sowie mehrere ER20 bewundert werden. Ich flitzte vom einen Ende des Bahnhofs zum anderen, um alle wichtigen Erinnerungen zu bekommen. Als der ALEX nach Oberstdorf wieder Fahrt aufnahm, hatten sich zwei Mittarbeiter als Nikolaus und Krampus verkleidet. Bei der Abfahrt wurde die Rute aus dem Fenster gehalten.

Anschließend unternahm ich eine Wanderung nach Bühl und an den Großen Alpsee. Dort, sowie unterwegs wollte ich auf weitere Züge warten. Überall gibt es lohnenswerte Fotostandpunkte. Im Winter sind die Bäume und Büsche nicht belaubt, was die Auswahl extrem erweitert. 218 Doppeltraktion vor EC Zügen war bisher immer einer meiner Leckerbissen. Die Kurve am kleinen Alpsee hatte ich leider viel zu selten aufgesucht. Auch dem Damm durch das Moor schenkte ich zu wenig Aufmerksamkeit. Hier konnten sogar ganze ALEX-Züge sehr einfach festgehalten werden.

Auf meinem Rückweg besuchte ich erneut den Bahnhof. Dort fand gerade das ALEX-Treffen um 15 Uhr statt. Diesmal war  sogar noch einmal der ehemalige Orientrot/Beige Treff Wagen eingereiht. Dieser war immer ein Schmakerl im Wagenpark. Das waren nun die Letzten Züge dieser Art, die in Immenstadt bei Tageslicht beobachtet werden konnten. Ich war wehmütig gestimmt.

Schon fast wieder zu Hause wartete ich auf einer Brücke auf die Ausfahrt des nachmittäglichen IC. Hier kann man noch immer 218 Verkehr bewundern.

Gegen 23 Uhr begab ich mich erneut auf diese Brücke und beobachtete die wirklich letzten beiden ALEX Züge die mit lautem Abschiedshupen die Stadt verließen.

Am Tag des Fahrplanwechsels befand ich mich zur ehemaligen 9 Uhr ALEX Zeit wieder am Bahnhof, um die jetzigen Fahrzeuge in Augenschein nehmen zu können. Es viel natürlich gravierend auf, dass nun das DB Rot dominierte. Das besondere Gesicht der Pesa Link Triebwagen, die mir recht gut gefallen, ist ein Lichtblick. Zum Glück werden auch nachfragestarke Verbindungen des ehemaligen ALEX mit Doppelstockzügen gefahren, so dass hier auch noch ein wenig mehr Lokbespannung bleibt.