Alpenglühen am Ofterschwanger Horn

Heute wollte ich die Herbstlandschaft in der späten Nachmittagssonne am Ofterschwanger Horn genießen. Leider hatte sich bereits ein sehr intensiver dünner Wolkenschleier über den Himmel gelegt. Als ich mit dem Fahrrad den Einstieg an der Talstation des Weltcupexpress erreichte hatten sich ein Wolkenband über das Illertal geschoben. So stieg ich zunächst ohne viel Sonne den steilen Weg hinauf.

Zügig erklomm ich die zahlreichen Höhenmeter zum Gipfel. Schwitzend stand ich am Gipfelkreuz und blickte hinab auf die sonnenlose Landschaft. Die Fernsicht war davon aber nicht getrübt.

Mit einer App prüfte ich die Position des Sonnenuntergangs. Mit viel Glück könnte die Sonne kurz vor ihrem Abtauchen noch einmal die Landschaft mit ihrem Licht erfreuen.

Obwohl ich einen Pullover und darüber eine dünne Jacke angezogen hatte, fröstelte es mich im leichten Wind. Mit kleinen Hüpfbewegungen versuchte ich mich warm zu halten. Noch ungefähr eine Stunde musste ich auf den Sonnenuntergang warten. Immer wieder schätzte ich die Möglichkeiten eines tollen Tagesabschlusses gegen Null ein.

Ab 17:30 Uhr begann sich der Himmel im Westen immer mehr zu verfärben. Hinter den Wolken war ein kleiner Streifen freien Himmels, also ein Fünkchen Hoffnung. Ich wurde tatsächlich etwas nervös. Sollte sich das Warten wirklich gelohnt haben?

Die Sonne sank immer tiefer. Plötzlich huschten die ersten Strahlen unter dem Wolkenband hindurch. Von da an wurde ein regelrechtes Feuerwerk entfacht. Ein sich über mehrere Minuten erstreckendes Alpenglühen brannte sich in meine Augen und mein Herz.

Völlig beschwingt begab ich mich auf den Abstieg. Bis zum nächsten solchen Schauspiel werde ich bestimmt wider etliche Monate  warten müssen. Bis dahin bleibt die Erinnerung in mir wach.