Von Immenstadt nach Fischen mit 2000 Höhenmetern

Erneut durch eine Challenge angestachelt, begab ich mich heute auf eine ca. 38 km lange Wanderung. Durch die gewählte Route standen am Ende ca. 2000 Höhenmeter auf der Rechnung. Bis Mittags regnete es praktisch ununterbrochen. An exponierten Plätzen pfiff der Wind kräftig. So war ich sehr erleichtert, als es ganz langsam aufzuklaren begann.

Noch bevor die Dämmerung so richtig eingesetzt hatte, wagte ich bei starkem Nebel und Regen den Aufstieg zum Mittag. Rund um die Alpe Hochried war es glücklicherweise schon so hell, dass ich keine Taschenlampe benötigte. So störte ich die Kühe nicht, die in einiger Entfernung auf der Weide standen. Anderenfalls hätte ich hier wohl nicht weiter gehen können. Im Wald musste ich auf den Abkürzungen wegen der vielen Wurzeln wieder die Lampe auspacken. Plötzlich Miaute es zwischen den Bäumen. Mir wurde etwas mulmig, denn ich kannte mich nicht damit aus, wie Katzen in der Nacht auf Menschen reagieren. Um mich zu vergewissern, leuchtete in die entsprechende Richtung. Die Augen des Tieres flackerten kurz auf. Oberhalb der Mittelstation begann es zunehmend windiger zu werden. Ich zog die Kapuze enger um den Kopf. Bei der Bergstation der Mittagbahn schlug ich kurz am Geländer an, knipste ein Foto vom Kreuz im Nebel und wanderte weiter zum Bärenköpfle. Dort fegte mir der Wind so stark um die Ohren, dass es mir fast unmöglich war ein Foto aufzunehmen, ohne den Regenschirm zu verlieren.

Ich verließ den Grat und stieg hinab zur Vorderen Krumbach-Alpe. Der Wind ließ merklich nach. Vorbei an der Dürrehorn-Alpe gelangte ich durch die herrlichen Buckelwiesen zur Winkelwies-Alpe. Ein wenig unterhalb verließ ich das Sträßchen nach Westen. Über einen Steig wanderte ich nach Gunzesried Säge. Ich querte die Ache. An der Talstraße angekommen bog ich taleinwärts ab. Kurz darauf hielt ich mich an der Alpenrose links und folgte den Wegweisern zur Mittelberg-Alpe. Gleichmäßig ansteigend gewann ich auf dem Fußweg immer weiter an Höhe.

Hinter der Mittelberg-Alpe wurde das Gelände relativ flach. Ich konnte also unter dem Wandern eine Verschnaufpause einlegen, was man im Allgemeinen als aktive Erholung bezeichnet. An einem Weidezaun entlang stieg ich auf einen der umliegenden Hügel, um mir ein wenig Überblick über die Landschaft zu verschaffen. Hier würde ich gerne öfter herkommen, doch von Immenstadt ist der Weg leider recht weit. Nachdem ich den Blick auf die Birkach-Alpe auf den Chip gebannt hatte, lief ich zu dieser hinunter.

Nach einer kleinen Waldpassage gelangte ich zum Birkachmoor. An einer kleinen Hütte mit Informationstafeln genoss ich den Blick über die herrliche Landschaft. Wenige Minuten später traf ich auf den Fahrweg zur Höllritzer-Alpe. Diesen Wanderte ich hinauf bis zur Alpe. Ich wendete mich nach Süden. Am Aufstieg zum Höllritzereck erreichte ich sehr bald die mit Büschen bewachsenen Hänge unter dem Dreifahnenkopf. Die Prinschenhütte tauchte in der Ferne auf. Kurz darauf gelangte ich an eine Abzweigung. Von hier stieg ich hinauf zum Grat.

Über den Grauenstein erreichte ich schließlich das Riedbergerhorn. Leider war alles noch immer in dichten Nebel gehüllt. Nur kurz zuvor hatte ich einen Blick in den Grasgehrenkessel werfen können. Erst beim Abstieg Richtung Grasgehrenhütte begann es ganz langsam aufzuklaren. Der Boden war so durchnässt, dass ich unter den Schleppliften in einem kleinen Bach laufen musste.

Ich verließ den Kessel zur Passstraße, querte diese und wanderte hinunter zur Schönberg-Alpe. Von dort begann ein schlammiger Aufstieg zum Besler. Den Gipfel musste ich leider links liegen lassen, da sonst die Zeit nicht gereicht hätte, um im hellen noch im Tal anzukommen. Unter den Wänden querte ich hinüber zum Einstieg des Klettersteiges und weiter auf den Ostgrat. Diesen verließ ich nach wenigen Minuten. Über drahtseilversicherte Stellen gelangte ich hinab zur Oberen Gund-Alpe.

Ich warf einen Blick zurück zum Besler, der im Nebel kaum zu erkennen war. Die Sicht in die Allgäuer Alpen war dagegen schon wesentlich aufgeklärter. Ich legte eine kleine Verschnaufpause bei der Alpe ein. Danach erklomm ich die letze nennenswerte Steigung zum Königsweg. Auf dem zunächst felsigen Gelände musste ich besonders gut aufpassen, da es durch den Regen sehr rutschig war.

Nach einigen Serpentinen wurde der Weg flacher und ich kam gut voran. Die länge der Tour spürte ich nun schon mächtig in den Beinen. Nun hieß es durchhalten. Immer weiter arbeitete ich mich hinab Richtung Obermaiselstein. Dort am Herrenberg wurde ich mit einem wunderbaren Abendblick über das Zillertal zu Entschenkopf und Rubihorn belohnt. Entlang der Weiler Ach wanderte ich nach Fischen und stieg am Bahnhof in einen Zug zurück nach Hause.